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Der erste Wandertag für zwei Jungs aus Nordrhein-Westfalen
Alle Namen in dieser Geschichte sind geändert worden. Es war heiß an diesem Augusttag, obwohl das im Vinschgau ganz selten vorkommt, denn es geht ständig eine leichte Brise in diesem Tal. Wir hatten Besuch
aus Nordrhein-Westfalen. Mein Bruder Albert und seine Frau Helga mit ihren Brüdern Bernhard, Norbert und ihrer Schwester Hildegard machten bei uns auf dem Hof Urlaub. Mir hat Hildegard auf den ersten
Blick gut gefallen, doch umgekehrt war es leider nicht so. Aber es muss ja nicht alles auf anhieb klappen. Schon am Vortag hatten wir ausgemacht, dass wir auf die Tablander Alm gehen wollten. Für mich war das
überhaupt nicht anstrengend, aber für Bernhard und Norbert, die keine Bergwanderungen gewöhnt waren, wurde es doch ein anstrengender Marsch. Hildegard blieb zu Hause, was ich natürlich sehr schade fand. Wir
marschierten von Staben los in Richtung Tabland, was ungefähr eine halbe Stunde dauerte. Tabland ist auch ein kleines Dörfchen wie Staben, gehört zur Gemeinde Naturns und liegt südlich von Staben. Die Leute sagen
aber “auf der Nörderseite”, weil sie einen längeren Winter haben. Aber das soll mal einer verstehen. Es ging dann also weiter durch Tabland Richtung Schleider Tal. Warum das so heißt weiß ich nicht. Dort fängt
auch schon der Wald an und es ging einen steileren Weg entlang. Vorbei an Mitterhof, wo Bernhard den Kopf schüttelte und fragte, was diese Leute dort auf der Wiese täten?
Ich erklärte ihm, dass die Leute Heu einarbeiten würden, was in Südtirol “das zweite Heu Gruamat” genannt wird; und dass sie alles auf dem Buckel würden hinauftragen müssen bis in den Stadel.
Wir gingen weiter und kamen an Donnerhof oder Tonnerhof vorbei, ich weiß nicht mehr, wie es genau heißt, aber eines von beiden wird schon stimmen. Norbert meinte schon, dass es die Tablander Alm sei und wollte
den Weg zum Hof entlang gehen. “Nein”, sagte ich, “das ist noch nicht die Tablander Alm. Das dauert noch eine Stunde, wenn wir so weitergehen.”
Also machten wir uns auf den Weg und es ging steil bergan. Endlich kamen wir nach drei Stunden auf der Tablander Alm an, wo die Kühe grasten. Von dort sieht man auch die Ötztaler Alpen und den Similaun mit
3602 m Höhe. Bernhard und Norbert waren begeistert von dieser Aussicht. Wir gingen weiter zur Almhütte. Die Almhütte ist
gerade neu gebaut worden neben der alten. Die alte Almhütte ließ man stehen. Vor ein paar Jahren wurde sie zur sanitären Anlage umgebaut.
Bernhard und Norbert packten ihren Proviant aus. Es war gerade Mittag, und wir hatten einen Riesenhunger und großen Durst. Die Sennerin brachte uns frische Kuhmilch, und wir ließen es uns schmecken. Als wir
gegessen hatten, wollte Norbert noch weiter gehen zum Gipfelgrat vier Hirtenknott, aber ich sagte, dass es dazu zu spät sei, denn man bräuchte bis dorthin noch mindestens zwei Stunden.
Wenn man so was vor hat, muss man sich schon sehr früh auf den Weg machen. Bernhard war sowieso nicht mehr einverstanden, denn er spürte schon eine Muskelzerrung, die man bei uns “Knieschnagler” nennt.
Deshalb machten wir uns auf den Weg ins Tal, und dabei wählte ich den langen Weg über Tomberg. Aber nach zwei Stunden jammerte Bernhard über Schmerzen in Ober- und Unterschenkeln. Norbert merkte noch
nicht so viel. Immer wieder legte Bernhard eine Rast ein, die letzten 200 m mussten Norbert und ich ihn in die Mitte nehmen und tragen, bis wir Tabland erreichten. Bernhard konnte nicht mehr gehen vor lauter
Schmerzen, doch wir mussten noch weiter bis Staben. Wir warteten darauf, das uns jemand mit einem Auto dorthin mitnehmen würde, aber auch nach einer halben Stunde kam niemand vorbei.
Einen Bauer, der gerade mit einem Wagen voll Heu von der Wiese kam, haben wir dann gebeten, Bernhard mit dem Traktor nach Staben zu bringen. Von dieser Geschichte erzählt Bernhard heute noch.
Mein Lektorat: Petras Literaturseiten
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